Fernambukholz - die Problematik der Bogenbauer

Die guten Streichbogen für Geige (und auch Bratsche, Cello und Bass) werden nachweislich seit mindestens Mitte des 17. Jahrhunderts aus Fernambukholz hergestellt. Der Name ist an die brasilianische Provinz Pernambuco gekoppelt. Dieser Baum wuchs dort als eher seltenes Holz im Urwald und war doch so typisch, dass er zum nationalen Symbol Brasiliens wurde.
Durch den Raubbau am Urwald ist der Baum vom Aussterben bedroht. Ein adäquater Ersatz durch ein anderes Holz ist bis heute nicht gefunden. Seit vielen Jahren gibt es ein Exportverbot. Das bedeutet, dass (neben illegalen Ausfuhren, die innerhalb der letzten Jahre glücklicherweise konsequent unterbunden werden konnten) die zeitgenössischen Bogen aus den im letzten Jahrhundert aufgebauten Warenlager der Bogenmacher und Holzhändler hergestellt werden. Dieser Vorrat geht jedoch absehbar zur Neige. Als möglichen Ausweg gibt es ein Aufforstungsprogramm, das aus einer privaten Initiative zum internationalen und von vielen staatlichen Stellen unterstütztem Projekt wurde.


Der Fernambukbaum (caesalpina echinata) bildet nach mehreren Jahren Wuchs durch Verkernung ein intensiv rot gefärbtes Holz. Die frühesten erhaltenen Bogen aus Fernambuk stammen aus dem 17. Jhd, in einigen Inventurlisten aus dieser Zeit werden Bogen aus indianischem Holz gelistet. Auf Grund der hervorragenden Eigenschaften ist es sehr wahrscheinlich, dass kurz nach Entdeckung der Neuen Welt dieses bevorzugt als Farbholz exportierte Material auch Verwendung im Bogenbau fand. In dieser Zeit gab es eine schier unendliche Vielfalt an verschieden ausgebildeten Formen von Streichbogen.

Im Nachhinein erscheint die Entwicklung geradlinig und logisch; die bis heute gespielte Gestaltung hat jedoch erst Francois Xavier Tourte (1747 — 1835) in Paris entwickelt.
Die besonderen Eigenschaften des Fernambukholzes sind die hohe Härte, die geringe physikalische Dämpfung und die Standfestigkeit der Biegung, die die nötige Spannung der Rosshaare ermöglicht.

Die Urwaldfläche in der Mata Atlantica ist auf 5% - 7% geschrumpft, das Vorkommen extrem gefährdet. In den 1960er Jahren pflanzte ein Holzhändler, der auf das für den Bogenbau ausgewählte Fernambuk spezialisiert war, erste Fernambukbäume. Diese anfänglich dekorative Idee baute er bis in eine Plantagenpflanzung aus. Da der Baum jedoch erst nach frühestens 30 Jahren einen möglicherweise verwertbaren Stamm gebildet hat, sind diese Projekte sehr langfristig. Es stellte sich heraus, dass diese Art der Anpflanzung keinen Erfolg hat. Fernambuk wächst als Einzelgehölz, anders als europäische Baumarten gibt es im Urwald mitunter Kreuzungen zwischen verschiedenen Arten, der Boden und Standortbedingungen prägen extrem die Qualität des Holzes. In Koordination von vielen internationalen Initiativen und mit staatlicher Unterstützung sowohl der GTZ wie auch mehrere brasilianischer Organisationen gibt es jetzt einen Hoffnungsschimmer: Es wurde ein großes Netzwerk aufgebaut, damit unter verschiedenen Bedingungen Fernambukbäume in Mischkulturen gepflegt werden. Beispielsweise werden Kaffeebauern, die Fernambukbäume als Schattenspender zwischenpflanzen, für diese Arbeiten entlohnt. Es gibt erste Anzeichen, dass so der Nationalbaum Brasiliens gerettet werden wird. Es braucht aber immer noch Jahrzehnte politischer und sozialer Stabilität für einen nachhaltigen Erfolg. Und ob dann der Export von zertifiziertem Holz wieder möglich sein wird, ist eine weitere Hürde..........


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